Bildungsstreik war ein Erfolg! Aber die Reform muss von unten kommen!

10. Juli 2009

Der Bildungsstreik war ein voller Erfolg. Auch Bundesministerin Schavan sieht jetzt Nachholbedarf bei Bachelor und Master. Das ist ein echter Fortschritt, auch wenn das alleine nichts ändert.

In der Woche vom 15. 19 Juni 2009 wurde in ganz Deutschland gestreikt. Nicht in Unternehmen, wie üblich, sondern in Schulen und Universitäten – ein Bildungsstreik also. Forderungen gab es reichlich, unter anderem gebührenfreie Bildung, mehr soziale Gerechtigkeit, bessere Studienbedingungen und Nachbesserungen bei Bachelor und Master.

Als Reaktion auf den Bildungsstreik hat die für Forschung zuständige Bundesministerin Annette Schavan (CDU) jetzt Rektoren und Studierende zum Gespräch geladen. Das Gespräch war umstritten, wurde sogar Farce genannt. Tatsächlich hat die Ministerin keine wirklichen Befugnisse, zuständig sind die Länder. Wenn überhaupt, schließlich geben diese den Hochschulen viele Freiheiten.

Die grundsätzliche Idee von Bachelor und Master finde ich gut. Studiengänge sollen vergleichbarer und Auslandsaufenthalte erleichtert werden. Ehrlich betrachtet jedoch ergibt sich ein ziemliches Chaos und teilweise erschreckende Zustände an den Universitäten. Alte Diplom-Studiengänge wurden nur unbenannt, die Studiengänge also kaum entladen. Den Studierenden fehlt Zeit, um sich zu bilden und Dinge tatsächlich zu studieren, und sich nicht von einer Klausur zur nächsten zu hangeln. Das Lesen einer Tageszeitung oder von Büchern sollte ebenso wie mehr Engagement (nicht nur in politischen Gruppen) zum Alltag von Studierenden gehören. Realistisch gesehen geht das nicht, erst recht nicht wenn nebenbei gearbeitet werden muss, um Studiengebühren zu finanzieren.

Aber wie soll das geändert werden?

Ich nehme mein Bundesland als Beispiel. NRW hat 64 Hochschulen und allein die Uni Wuppertal hat über 45 Studiengänge in Geistes- und Kulturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaft, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Kunst, Design und Bildungswissenschaften. Das sind auch mehr als 45 Prüfungsordnungen. Gute und schlechte. Ebenso gibt es gute Studienbedingungen und schlechte Studienbedingungen.

Wie also soll da etwas von oben korrigiert werden? Das ist kaum möglich! Zwar könnten die Länder die Hochschulfinanzierung stärker an die Lehre als an die Forschung knüpfen, aber auch das würde das Problem nicht lösen. Universitäten sind unterschiedlich aufgestellt, und an diesen Unterschieden müssen sich Universitäten auch orientieren. Missstände entstehen vor Ort und müssen vor Ort behoben werden. Dazu ist es nötig, dass wir uns engagieren. Und nicht nur demonstrieren, auch wenn auch das notwendig ist.

Die Studierendenvertretungen müssen aufhören, die Weltrevolution auszurufen, sondern an ihren Unis Missstände nennen und zu ändern. Studiengänge müssen viel mehr durch Studierende akkreditiert werden, und nicht durch irgendwelche Akkreditierungsagenturen. Studiengebühren schrecken vom Studium ab, aber sie sind auch bestes Argument für uns Studierende: Wir sind Kunden und bezahlen für das Studium. Nur wenn wir das begreifen und nicht weiter gegen Windmühlen kämpfen haben wir wirklich eine Chance.

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