ARD startet „Debüt im Ersten“
Die ARD startet heute um 22.45 Uhr ihre Reihe „Debüt im Ersten“, in der junge Filmemacher ihre Filme vorstellen können.
Wenn das Bildungsbürgertum vom Fernsehen abwendet, dann wendet sich das Fernsehen auch vom Bildungsbürgertum ab. So war es in den 80er Jahren, als das Privatfernsehen entstand, und so ist es auch heute noch. Junge Filmemacherinnen und Filmemacher stehen dem Fernseher ebenso kritisch gegenüber wie eine Vielzahl (teilweise junger) Bürgerinnen und Bürger. Das ist teilweise verständlich, denn nicht nur das Privatfernsehen, wie häufig kritisiert, orientiert sich vor allem an der Quote – und gutes Programm ist nicht immer quotentauglich. Hervorragende (und erfolgreiche) Filme werden häufig nur spät abends oder nachts gezeigt. „Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingärtner lief in der ARD an einem Donnerstag um 22.45 Uhr – obwohl im Kino ziemlich erfolgreich.
Die Diskussion um ZDF-Chef Nikolaus Brende vor einigen Monaten drehte dich auch um die Quote bei den Nachrichten.
Mit „Debüt im Ersten“ versucht die ARD (in Kooperation mit sieben Landesrundfunkanstalten) mal etwas anderes. Beckmann hat Sommerpause, deshalb ist montags um 22.45 Uhr der Sendeplatz frei. Die Reihe gibt in diesem Jahr zum dritten Mal jungen Filmemacherinnen und Filmemachern jenseits des Quotendrucks die Möglichkeit, ihre Filme einem breiten Publikum zu präsentieren. Das Konzept ist erfolgreich, auch gemessen an der Quote. Filme, die nur in Programmkinos laufen und so eine eher beschauliche Zuschauerzahl haben, werden im Fernsehen mehr gesehen. Interesse erzeugt allein schon die Reihe, die schließlich etwas besonderes ist. Der Auftaktfilm „Shoppen“, der heute gezeigt wird, hatte im Kino 320.000 Zuschauer und ist damit schon eher eine positive Ausnahme. Bei „Debüt im Ersten“ schauten in den letzten beiden Jahren bis zu eine Million Menschen zu, ein Marktanteil von 8,2 Prozent entsprach.
„Shoppen“ erhielt den Drehbuch- und Nachwuchsregiepreis des Bayrischen Filmpreises 2007. Es geht um das so genannte Speed-Dating, also die Frage, ob man in fünf Minuten herausfinden kann, ob es sich lohnt, mehr Zeit mit einer Person zu verbringen. Thematisch ist der Film, der ohne den typischen Handlungsverlauf auskommt, also schon eher massentauglich. Anders hingegen „Gegenüber“, der in der nächsten Woche gezeigt wird. In diesem geht es um einen Polizisten, der Misshandlungen durch seine Ehefrau wehrlos hinnimmt. Ein gesellschaftliches Randthema, vielleicht also nicht 20.15-Uhr-tauglich.
„Debüt im Ersten“ ist aus erfolgreich: Zum einen gibt die Reihe jungen Filmemachern die Möglichkeit, ihre Filme einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Perspektive ist nicht nur für sie wichtig, sie ist auch für das Dichter- und Denkerland Deutschland unverzichtbar. Zum anderen ist „Debüt im Ersten“ auch unter Quotengesichtspunkten erfolgreich. Daher kann eine Fortführung und Ausweitung auf nicht nur die Sommerzeit der ARD nur empfohlen werden.
Weitere Filme sind übrigens: Reine Geschmackssache, Die Unerzogenen, Blindflug, Vineta, Höhere Gewalt, Frei nach Plan, Fata Morgana. Alle Infos zu den Filmen gibt es unter daserste.de/debut
P.S.: Da ich schon über Quoten bei der ARD lästere empfehle ich das dazu passende Dossier der Zeit.
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