Sehr geehrter Herr Maus…
In der Lokalredaktion Wuppertal der Westdeutschen Zeitung liegen offenbar die Nerven blank. Nicht anders ist zu erklären, dass sich Herr Maus bei meinem Arbeitgeber über meinen “arroganten” Kommentar zu seinem Artikel zur Kundgebung von Angela Merkel beschwert. Meine Antwort darauf veröffentliche ich hier:
Sehr geehrter Herr Maus,
ich habe zur Kenntnis genommen, dass Sie sich bei meinem Arbeitgeber über meinen Blogeintrag beschwert haben. Herr Maus, Sie sind eine Petze!
Der Blogeintrag ist, um dies klar und deutlich zu sagen, meine Privatsache. Sollten Sie weiterhin meckern wollen, empfehle ich Ihnen Herrn Prof. Dr. Lambert T. Koch als Rektor der Bergischen Universität. Dort studiere ich.
Es geht in dem Beitrag nicht um Wahlkampf. Es geht um die Berichterstattung der Westdeutschen Zeitung über eine Aktion am Rande einer Kundgebung von Angela Merkel. Die Aktion hatte zwar durchaus politischen Charakter, gehörte aber nicht zum Wahlkampf, vor allem nicht zu dem der SPD. Ich denke nicht, dass ich in meinem Blog diesen Eindruck gemacht habe. Die letzten Artikel drehen sich um den neuen Film von Dani Levy sowie zum Government 2.0 Camp in Berlin, beides keine Wahlkampfthemen. Ganz bewusst schreibe ich nicht darüber, da für mich privates und berufliches konsequent getrennt werden muss.
Den Stil, bei Herrn Zöllmer als meinem Arbeitgeber zu petzen, halte ich für sehr fragwürdig und ehrenrührig, um bei Ihrem Vokabular zu bleiben. Auch als Studentischer Mitarbeiter in seinem Wahlkreisbüro habe ich das Recht auf freie Meinungsäußerung in meinem Namen. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Oder empfehlen Sie mir, zukünftig unter einem Pseudonym zu schreiben? Auf Ihre Antwort bin ich gespannt.
Sie beziehen sich in Ihrer E-Mail darauf, Kritik von Frau Merkel an der „rot-grünen Vorgängerregierung (…) nicht veröffentlicht“ zu haben, „um eben die nötige Neutralität zu wahren.“ Sie verstehen meinen Blogeintrag nicht. Es geht nicht um die Neutralität zwischen den Parteien, diese ist zumindest nicht Gegenstand meines Artikels, sondern die zwischen den Veranstaltungsteilnehmern und den Teilnehmern des Flashmobs.
Obwohl: „Tosender Applaus“ ist nicht gerade sehr neutral und auch bei der Teilnehmerzahl spricht etwa der Wupperguide von 3.000 statt der von Ihnen genannten 5.000. Und bei Radio Wuppertal heißt es: „Sie sprach vor über 2000 Zuschauern“. Die von Ihnen genannte Teilnehmeranzahl wurde zudem von mehreren Personen für den Rathausvorplatz als völlig unrealistisch bezeichnet. Kommentare erspare ich mir an dieser Stelle.
Ihr Artikel zum Wahlkampfauftritt ist, um es ganz trocken zu sagen, falsch und mit den Worten „nervtötenden Schreihälsen“ unsachlich und emotionalisierend. Derartiges Vokabular erwarte ich bei Boulevardblättern, etwa dem Ihnen ja bekannten Express. Einige Kommentare auch in (Qualitäts-)Zeitungen beschäftigen sich im Moment mit dieser Problematik, der Boulevardisierung der Medien. Zu empfehlen ist carta.info sowie die „Thesen zum gegenwärtigen Journalismus“ von Prof. Dr. Volker Ronge, dem ehemaligen Rektor der Bergischen Universität, der weder zufällig, noch beabsichtigt, sondern unvermeidlich ein Vortrag über die WZ ist.
Tatsächlich gibt es auch bei der Westdeutschen Zeitung Sternstunden. Dazu gehört beispielsweise die Berichterstattung zum Cross-Border-Leasing der Stadt oder zum Konzert des Sängers Capleton im U-Club im vergangenen Dezember.
Grundsätzlich halte ich es für gut, dass die Lokalredaktion die örtlichen Bundestagskandidaten im Vorfeld der Wahl befragt. Während der Legislaturperiode fehlt eine Berichterstattung jedoch. Es gibt viele Akteure, die etwas zu sagen haben. Dazu gehören neben Politikern auch Nichtregierungsorganisationen und Interessensverbände. Beobachtet wurde auch, nicht nur von mir, dass die Interviews Ihrer Zeitung oberflächlich geführt werden und schwierige Felder höchstens angekratzt werden – Feel-Good für alle Beteiligten.
Dies bringt mich auch zur allgemeinen Kritik an Ihrer Zeitung. Insgesamt gibt es wenig politische Berichterstattung, beispielsweise auch zu Veranstaltungen. Ebenso wäre es Aufgabe der Medien, die deutliche gesunkene Zahl der Diskussionen in den politischen Gremien der Stadt, an denen auch die Große Kooperation Schuld ist, aufzuarbeiten. Stoff genug für politische Berichterstattung gibt es allemal.
Stattdessen ist zu beobachten, dass beispielsweise Elefantenbabys deutlich häufiger auf der Titelseite zu sehen sind, als politische Themen. Dies kritisiere ich. Allerdings fällt nicht nur die WZ negativ auf. Deutlich besser ist es in Städten, in denen es mehrere Tageszeitungen gibt. Der Westdeutschen Zeitung fehlt Konkurrenz.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Helsper
Übrigens: Das Feedback zum Blog ist überaus positiv, und zwar sowohl
Online als auch Offline, bei Anhängern genauso wie bei Kritikern des
Flashmobs.
Selbstverständlich habe ich auch darauf hingewiesen, dass die E-Mail hier veröffentlicht wird.
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