Yeah: Merkel in Wuppertal & Westdeutsche Zeitung versagt wieder 24. September 2009
Die Westdeutsche Zeitung hat wieder einmal versagt. Besser gesagt: Die Lokalredaktion Wuppertal mit ihrem Chefredakteur Robert Maus. Sein Artikel zum Flashmob ist realitätsfern, unsachlich und falsch. Unter Journalismus verstehe ich etwas anderes, von Qualitätsjournalismus kann man bei diesem Blatt sowieso nicht reden.
Was ist passiert? Es ist Bundestagswahlkampf und Angela Merkel spricht in Wuppertal. Wie bereits zuvor in Hamburg und in Mainz haben sich viele Menschen vor allem über das Internet zu einem Flash-Mob verabredet. Es geht darum, nach jedem Satz „Yeah“ zu rufen. Die ganze Geschichte kann beim Spreeblick nachgelesen werden. Das empfehle ich auch Herrn Maus, der in seinem Beitrag von „etwa 100 nervtötenden Schreihälsen der Piratenpartei“ spricht. Man hat den Eindruck, sein Artikel sei für die CDU-Mitgliederzeitung.
Eine Agenturmeldung spricht davon, dass Merkel „zeitweise Mühe hatte, gegen die Rufe und Sprechchöre anzureden“. Ebenso: „Unter die Flashmob-Teilnehmer mischten sich auch viele Aktivisten der Piraten-Partei.“ Stimmt, es waren auch Jusos, Grüne Jugend und Greenpeace da. Tatsächlich aber fiel die Piratenpartei einmal auf, als sie die Kanzlerin beschimpfte – eben keine politische Aussage.
In Wuppertal ist das Konzept so nicht ausgegangen, das muss man ganz ehrlich sagen. Das ist aber nicht schlecht, sondern ganz gut. Denn tatsächlich ist das reine „Yeah“ nicht sehr inhaltsreich, es ging aber politisch her. Wenn etwa Merkel über das Grundgesetz spricht und die Demonstranten dieses Wort immer wieder schreien hat es eine Bedeutung, schließlich sind mehrere Gesetze ihrer Regierung und vor allem ihres Innenministers mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Ebenso deutlich ist die Forderung „Bildung für alle, und zwar umsonst“. Auch „Kernkraft“ hat doch eine Aussage.
Merkel hat uns als ihre „Freunde aus dem Internet“ begrüßt. Ich bin aber nicht aus dem Internet, sondern aus Wuppertal. Das zeigt wieder einmal, dass Frau Merkel es nicht verstanden hat. Etwas Verständnis wäre aber eine Grundlage für eine vernünftige Innenpolitik.
All das hat Robert Maus nicht verstanden. Ihm und seiner Lokalredaktion empfehle ich, weiterhin über Elefantenbabys im Wuppertaler Zoo zu schreiben. Da sind auch die Bilder schöner.
Update: Beitrag der Tagesthemen bei Youtube online.
Tags: Merkel, Piraten, undallesoyeah, Westdeutsche Zeitung, Wuppertal
Posted in Politik | Kommentare: (8)


24. September 2009 um 11:57 Uhr
Sehr gut zusammengefasst. Danke!
24. September 2009 um 18:40 Uhr
Sauber Andreas! Die Angaben in der WZ sind wirklich sehr defus und man fragt sich ob das alles so stimmt. Du hast einen schönen zusammenfassenden Artikel gebloggt!
24. September 2009 um 21:30 Uhr
Genau wegen sowas und wegen zig anderer Klöpse lese ich die WZ einfach nicht mehr und spare mir das Geld lieber für etwas sinnvolleres, im wahrsten Sinne des Wortes. Das mit dem Internet und den älteren Generationen, die das einfach nicht verstehen, ist in meinen Augen echt ein Problem, quasi ein weiterer Generation-Gap. Sowas (und viele weitere Themenbereich) sind für mich nur die Spitzen eines großen, schmelzenden Eisbergs mit dem Namen “Generationenvertrag”…
25. September 2009 um 09:47 Uhr
[...] 2009Die Kanzlerin in Wuppertal und alle so … Mein kleiner Zusammenschnitt. Eine schöne Zusammenfassung auch in Bezug auf die holzmediale Berichterstattung findet man bei Andreas Helsper. Arne, der auch [...]
25. September 2009 um 11:36 Uhr
Wenn Journalisten sich nicht die Mühe machen, sich mal ins Getümmel zu stürzen und mit den Protestierenden zu reden, sondern schön im abgesperrten VIP-Bereich sitzen, wundert es nicht, dass sie nicht wirklich etwas mitkriegen
Mich hat die Schön-Wetter-Rede von Frau Merkel auf Deutsch gesagt angek…, da sie dieselbe Rede egal wo hätte halten können. Auf die katastrophale finanzielle Situation Wuppertals ist sie doch überhaupt nicht eingegangen (Stichwort: Finanzierung schuldenfreier(!) Städte im Osten durch Wuppertal, das dafür Kredite aufnehmen muss!!!) Verschiedene Stadtteile gehen hier den Bach runter und sie hält eine Schön-Wetter-Rede. Das macht einfach nur wütend!
26. September 2009 um 14:00 Uhr
[...] Nicht anders ist zu erklären, dass sich Herr Maus bei meinem Arbeitgeber über meinen “arroganten” Kommentar zu seinem Artikel zur Kundgebung von Angela Merkel beschwert. Meine Antwort darauf [...]
28. September 2009 um 09:38 Uhr
Ich kenne die CDU-Mitgliederzeitung nicht, vermute aber, dass Sie ihr unrecht tun, wenn Sie sie mit der Wuppertaler WZ auf eine Stufe stellen.
28. Januar 2010 um 12:11 Uhr
[...] Berichterstattung der Westdeutschen Zeitung muss nicht weiter kommentiert werden. Schlimmer ist aber, dass mein Kommentar in der Diskussion gelöscht wurde. Ich habe es mir ja [...]